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09.07.2010
Philosophische Gedanken zum Thema Klebeband und Umwelt
Die Themen Umweltverschmutzung und Klimawandel sind in aller Munde und Begriffe wie Umweltverträglichkeit, Umweltfreundlichkeit oder Umweltschutz stehen immer mehr im Fokus. Aktuell wird man über alle Medien rund um die Uhr über die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko und deren Auswirkungen informiert. Wir alle sind sensibilisiert. Selbst beim Einkaufen greifen wir gerne etwas tiefer in die Tasche, wenn ein Produkt das BIO-Label trägt und aus der Region stammt.
Es wird generell viel über umweltfreundliche Produkte gesprochen und geschrieben - auch im Bereich Klebeband. Wer aber entscheidet tatsächlich, ob ein Klebeband umweltfreundlich ist oder nicht, oder eine Kleber-Technologie umweltfreundlicher ist als die andere? Derjenige, der am stärksten die Werbetrommel rührt? Legen wir unsere Umwelt tatsächlich in die Hände von Marketingspezialisten?
Hersteller von auf Acrylat oder Hotmelt basierenden Produkten „wettern“ gegen die Naturkautschukkleber- Technologie und stellen dabei das negativ behaftete Wort Lösungsmittel groß heraus! OPP Film Hersteller machen gegen PVC Film Produzenten Politik und umgekehrt! Argumente über Argumente und Unmengen an Informationen, die mehr verwirren als helfen.
Vielleicht sollten wir uns einfach mal die Zeit nehmen, dieses Thema etwas intensiver zu beleuchten und damit beginnen, den Begriff „umweltfreundliches Produkt“ zu klären. Eine kleine Internetrecherche ergab wenige, bis kaum brauchbare, Ergebnisse zu diesem Thema. Gabler‘s Wirtschaftslexikon definiert kurz und bündig z.B. wie folgt: „Produkte, die die natürliche Umwelt in ihrer Eigenschaft als Lieferant natürlicher Ressourcen und als Aufnahmemedium für Abfälle aus Produktion und Konsum möglichst wenig belasten. Quantifizierung der Belastung durch ein Produkt mithilfe der ökologischen Buchhaltung. Kennzeichnung durch Umweltzeichen.“
Für Verpackungsklebebänder gibt es bisher weder ein Umweltzeichen noch wird die Umweltbelastung mittels einer ökologischen Buchhaltung oder Ökobilanz quantifiziert. Was bedeutet Ökobilanz genau? Wikipedia definiert wie folgt:
„Unter einer Ökobilanz (engl. auch LCA – Life Cycle Assessment) versteht man eine systematische Analyse der Umweltwirkungen von Produkten während des gesamten Lebensweges („von der Wiege bis zur Bahre“). Dazu gehören sämtliche Umweltwirkungen während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung des Produktes, sowie die damit verbundenen vor- und nachgeschalteten Prozesse (z. B. Herstellung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe). Zu den Umweltwirkungen zählt man sämtliche umweltrelevanten Entnahmen aus der Umwelt (z. B. Erze, Rohöl) sowie die Emissionen in die Umwelt (z. B. Abfälle, Kohlendioxidemissionen). Der Begriff der Bilanz wird bei der Ökobilanz im Sinne von einer Gegenüberstellung verwendet, sie ist nicht mit der Bilanz innerhalb der Buchhaltung zu verwechseln.“
Beziehen wir uns nun auf die Ökobilanz eines einzelnen Produktes und betrachten nur oberflächlich z.B. PVC Film. Laut Information eines PVC Film Herstellers basiert PVC zu 57% auf Salz und nur zu 43% auf Öl. Wenn wir diesen Sachverhalt nun im Vergleich zu OPP Film sehen, stellen wir fest, dass bei OPP Film zum überwiegenden Teil der Rohstoff Öl einfließt, der keinesfalls unbegrenzt zur Verfügung steht. Und schon beginnt die Diskussion.... Verfechter von OPP Film argumentieren sofort: „Ja, aber PVC Film verrottet nicht, während OPP Film biologisch abbaubar ist“. Und lustig geht es weiter..., denn PVC Film kann in speziell dafür errichteten Verbrennungsanlagen verbrannt werden, wodurch wiederum Energie gewonnen wird. PVC Film Hersteller sprechen weiter davon, dass ein mechanisches Recycling möglich ist, also unter Zuführung von „frischem“ Polymer gleichartige oder neuartige Produkte hergestellt werden können. Argumente über Argumente, die sicherlich in sich stimmig sind, aber eben nur einen einzelnen Teil beleuchten und nicht den großen Gesamtzusammenhang.
Oder werfen wir einen Blick auf den Naturkautschukkleber. In dieser Technologie wird der Grundstoff Kautschuk mit Lösungsmittel, Harzen und je nach Bedarf mit Pigmenten vermengt. Nach der Beschichtung wird das Lösungsmittel im Trocknungsprozess extrahiert und zu 98% in einer eigens dafür entwickelten Rückgewinnungsanlage zurückgewonnen. Dieses Lösungsmittel wird dann dem Produktionsprozess erneut zugeführt. Eine gewisse Restfeuchte verbleibt im Klebeband. Ein minimaler Teil geht im Prozess verloren. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang z.B. der Energiebedarf für die Trocknung des Naturkautschukklebers. Es wird um 50% weniger Energie eingesetzt als für Trocknung eines auf Wasser basierenden Acrylatklebers aufgewendet werden muss. Auch bei der Produktion des Hotmelt Klebers ist der Energiebedarf enorm, der nötig ist, um das Granulat zum Schmelzen zu bringen bzw. den Kleber nach der Beschichtung wieder abzukühlen. Aber auch hier wieder viele Einzelaspekte, die jedoch nicht unbedingt auf das Gesamtbild schließen lassen.
Nehmen wir einmal den Anwendungsbereich eines Klebebandes genauer unter die Lupe: den Kartonverschluss. Es ist allgemein bekannt, dass die Kartonagenindustrie mehr und mehr recycelte Materialien für die Produktion einsetzt. Dies führt dazu, dass die zu verschließende Oberfläche immer glatter und der Anspruch an das Klebeband immer größer wird. Stoßen Billigprodukte an ihre Grenzen, steigt oftmals die Einsatzmenge von Klebeband. Anstelle eines 50mm breiten Klebebandes wird ein 75mm breites Band eingesetzt oder es kommt zu einer Mehrfachverklebung. Sogenannte „umweltfreundliche oder umweltfreundlichere Produkte“ und ihr Einsatz in „rauen“ Mengen?
Die Auflistung von Einzelargumenten könnte beliebig fortgesetzt werden, aber es bleibt dabei, dass die Argumente nicht im Gesamtzusammenhang gesehen werden. Licht in diesen Dschungel an Informationen könnte eine kostspielige vergleichende Ökobilanz bringen. Solange diese für die verschiedenen Klebebandprodukte nicht vorliegt, ist das Attribut umweltfreundlich oder umweltfreundlicher relativ bzw. kaum aussagekräftig. Es ist nicht bewiesen, dass das eine oder andere Produkt besser oder schlechter für die Umwelt ist. Es gibt keinerlei zusammenhängende Fakten und es wäre wünschenswert, wenn mit dem Begriff „umweltfreundlicheres Klebeband“ sorgsamer umgegangen würde, zumindest solange bis es Ökobilanzen gibt, die u.U.die Klebebandwelt revolutionieren könnten.
Unabhängig davon, ob diese Bilanzen vorliegen odernicht, schreiben wir bei monta Umweltschutz groß.Seit vielen Jahren betreiben wir ein funktionsfähiges Umweltmanagement. Wir gehen sorgsam mit natürlichen Ressourcen um und erfüllen sämtliche behördlichen/gesetzlichen Anforderungen des Umweltschutzes, was letztendlich durch die DIN EN ISO 14001:2005 Zertifizierung bestätigt wird. (BH)
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